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ANDJÉ PIETRZYK | SCULPTOR | PAINTER

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Der goldene „Bukephalos“
Was bewegt einen Künstler, ein Pferd – viereinhalb Meter hoch und fünf Meter lang – in dieser Dimension zu fertigen?
Was mich fasziniert, ist die Symbiose aus Kultur und Natur, aus Mimesis und Poiesis. Ich komme aus der Tradition der Monumentalbildhauerei. Mir geht es auch darum, schier Unmögliches möglich zu machen, Handwerk und Hirnwerk, Technik und Schönheit zu verschmelzen.
Eine Frage, die während meines Schaffens immer wieder den Ton angab:
Wie viel kann ein einzelner Mensch bewegen?
Stellen Sie sich vor, jeder von uns, jeder einzelne würde unsere gemeinsamen kulturellen Wurzeln stärken, Nährstoffe in unsere gemeinsamen Wurzeln pumpen, sich seiner Tradition bewusst werden. Könnten wir so nicht gestärkt in die Zukunft wachsen?
Vor meinen Augen taucht gerade Colleonis Pferdemonument auf, ein Urbild unserer Tradition. Doch dieses Pferd ist kaum existent in den Köpfen und Herzen unserer Gesellschaft. Schade, wir entfernen uns von unseren Wurzeln, von unserem inneren historischen Gedächtnis. Da liegt viel brach.
Mir geht es mit der Erschaffung des Pferdes einerseits darum, diese Wurzeln zu nähren und andererseits darum, meine inneren Wurzeln zu beleben. Das hat viel mit der Geburt, dem Geborenwerden zu tun, darum auch Nabelschnüre, Wurzelwerk, Fäden usw. Das Pferd ist aus diesem inneren Schöpferdrang heraus gewachsen, hat seine Rüstung abgeworfen, galoppiert seinem Leben entgegen.
So ist es ja auch bei uns: gestärkt aus unseren Wurzeln wachsen wir dem Leben entgegen. Schade nur, wenn wir uns dieser Wurzeln nicht mehr bewusst sind.
Was soll die Betrachterin nach Begegnung mit diesem Pferd mitnehmen?
Wer mein Pferd achtsam wahrnimmt, spürt vielleicht seine eigene Lebendigkeit und seine innere Verwurzelung. Verbindung und Freiheit. Großzügigkeit, Idealismus und Toleranz sind Wesenszüge, die das Werk ausstrahlen. Das Monument ist ein emotionales und mentales Trampolin für ein freieres Denken und Fühlen. Viel aus meiner Kindheit steckt in diesem Pferd: Wildheit, Kraft, Entfaltungssehnsucht und auch etwas davon, mein inneres galoppierendes Pferd zu bändigen.

Was war der heikelste Prozess in der Herstellung dieser Skulptur?
Äußere Kräfte zu mobilisieren und die innere Kraft permanent zu entflammen, das war verzehrend. Es war kräfteraubend, Begeisterte zu finden für meine Idee. Das Pferd hat immer – dafür gibt es unzählige Beispiele aus der Geschichte – den Helden gedient. Jetzt ist es Symbol heldenhaften Tuns. Es steht für die Mühen und Anstrengungen, es strahlt Werte wie Toleranz, Kraft, Schönheit aus. Das Pferd bringt aber auch die Urkraft unserer Zivilisationsgeschichte auf die Bühne. Erst das Pferd machte Mobilität möglich. Es erforderte ungeheure Pferdestärken, das alles unter ein künstlerisches Dach zu bringen: Statik, Technik, Logistik und die Koordination aller Firmen wie Kunstgießereien, Spezialisten zum Rohrverformen, Transporteure und so weiter. Es braucht viel Kraft, die Leichtigkeit des Windes und die Urkraft des Feuers Pferd werden zu lassen.

-5m lang, samt Unterkonstruktion 8 m hoch, rd. 12 Tonnen schwer, Bronze-
ANDJÈ im Dialog mit Publizist u Germanist Mag. W. Rodlauer



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